Das weiße Band

Gestern habe ich den neuen Film von Michael Haneke „Das weiße Band“ gesehen.
Anfangs und am Ende herrschte eine Totenstille im Publikum. Charakteristischerweise gibt es bei diesem Film keine Abspannmusik.
Dass der Tot gleichzeitig absolut symptomatisch für den ganzen Film ist, läßt sich wohl zweifelsfrei sagen.
Ich möchte mich sogar zu dem statement hinreißen lassen, der Tot werde in diesem Film auf eine ganz besondere, brachiale und dennoch sehr ruhige Art und Weise dargestellt, so dass man wirklich sehr verwundert das Kino verläßt.
Erzählt wird der Film aus der Perspektive des Dorfleherers, der als Lehrer an eine Schule in einen kleinen Ort in Brandenburg) kommt. Der Film spielt Anfang des 20. Jahrhunderts kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. Passend dazu ist der Film in schwarzweiß gedreht.
Eingeführt wird der Zuschauer in die Familie des Pastoren im dorf.
Die Kinder des Pastoren sind am Abend zu spät zum Essen nach Hause gekommen, was der Vater mit einer längeren Moralpredikt ahndet und ankündigt die beiden älteren Kinder Clara und Martin als Strafe für diese Tat zu züchtigen.
Der satz „Das wird mir mehr wehtun als euch“ läßt das Publikum das erste Mal verstört aufhorchen. Sätze dieser Couleur werden noch öfter in den nächtsen zwei Stunden fallen und stehen wiederum symptomatisch für die Erziehung der Kinder und gleichzeitig der Atmosphäre in den Familien dieser Zeit. Außerdem bekommen die Kinder zum Zeichne ihres Ungehorsams ein weißes Band, das eigentlich zum Zeichen ihrer Reinheit stehen soll, umgebunden.
Die Erzählweise des Films ist so ruhig, fast schon regungslos, zumindest erschreckend neutral gehalten, dass man die Grausamkeiten, die die Kindern des Dorfes von den Erwachsenen und voneinander erfahren müssen,  auch als Zuschauer fast schon passiv hinnimmt und sich dabei furchtbarer weise auch noch selbst ertappt.
Ein seltsamer Vorfall reiht sich an den nächsten. Zuerst verletzt sich der Arzt des Dorfes schwer bei einem Reitunfall, bei dem er über eine zum Ziel seines falles angebrachte durchsichtige Schnur stürzt und für mehrere Monate von der sprichwörtlichen Bildfläche verwindet. Der nächste „Vorfall“ ereignet sich, als das Kind des ortsansässigen Barons schwer misshandelt im Wald aufgefunden wird. Der oder die Täter lassen sich aber nicht ausfindig machen.
Als dann auch noch das Kind der Hebamme des Dorfes schwer misshandelt aufgefunden wird und fast seine Sehkraft verliert, kann man die atmosphäre des Films, die so sehr von Angst, Mißgunst und Rätselhaftigkeit erfüllt ist, fast nicht mehr ertragen.
Ebenfalls fast unerträglich ist das Ende des Films, bei dem die Täter der Mißhandlungen der Kinder nicht ausgemacht werden können und man als Zuschauer aber spürt, dass Aufklärung in Form des Dorflehrers, der einen (unbestätigten) Verdacht hat, naht. Trotzdem behält sich Haneke vor, die Geschehnisse im Dorf nicht restlos aufzuklären und mit dem verdacht des Publikums zu spielen.
Was bleibt ist ein sehr mulmiges Gefühl am ende, obwohl der Film durchaus auch ein paar Lichtblicke „bietet“, die aber sofort wieder durch die nächste Grausamkeit zunichte gemacht wird. Durch absolut glänzende Dialoge und hervorragend besetze Darsteller überzeugt dieser Film aufs aller äußerste.

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